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Themenblog

Werte, Grundsätze und Zertifizierung im Fairen Handel

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08.01.2021

Nun sind wir an dem Punkt, an dem wir die einzelnen Beteiligten im Fairen Handel kennen und wissen, dass direkte Beziehungen wichtig für Fairen Handel sind. Doch was macht den Fairen Handel noch aus? Welche Grundsätze befolgen die Akteur*innen und wie kann die Einhaltung dieser Regeln überprüft werden?

Der Faire Handel hat viele Grundsätze und Werte, durch die Gerechtigkeit, insbesondere für Länder des Globalen Südens, erreicht werden soll,welche durch die Handelspolitik des globalen Nordens oftmals in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt und in vielen Bereichen ausgebeutet werden. Mit der Formulierung gemeinsamer Grundsätze in der Charta des Fairen Handels wurde eine einheitliche Linie entwickelt. Die Charta ist formuliert von verschiedensten Akteur*innen des Fairen Handels, ursprünglich angestoßen durch die World Fair Trade Organisation und Fairtrade International. Durch das Aufzeigen der Gemeinsamkeiten im Fairen Handel soll die Charta die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur*innen erleichtern und den Fairen Handel als Prinzip auch nach außen klar definieren.

Einige wichtige Eckpunkte sind folgende:

- Inklusives Wirtschaftswachstum schaffen
- Angemessene Beschäftigung bieten und Löhne sowie Einkommen verbessern helfen
- Frauen stärken
- Kinderrechte schützen und in die nächste Generation investieren
- Biodiversität und Umwelt bewahren


Wer fair gehandelte Produkte konsumiert, möchte in der Regel darauf vertrauen können, dass der Kauf einen gerechteren Handel unterstützt und die Produzent*innen davon profitieren. Leider ist der Begriff “fair” nicht wie z.B. “bio” rechtlich anerkannt. Das heißt, dass ein als “fair” bezeichnetes Produkt, nicht zwangsläufig fair gehandelt worden sein muss. Aber wenn es kein staatliches Zertifizierungssystem gibt, wie läuft das dann?

Das Fairtrade-Label ist wohl eins der bekanntesten Produktlabel. Seit 2003 wird das Label international eingesetzt, man findet es seit einigen Jahren auch immer häufiger im Supermarkt. Die Fairtrade Labelling Organization (FLO) vergibt das Siegel, während das Tochterunternehmen FLOCERT sich um die Kontrolle der Einhaltung kümmert. Um mit dem Logo eine möglichst breite Aufmerksamkeit für den Fairen Handel zu erzielen, setzt die FLO auch auf Strategien wie den Mengenausgleich oder Teilzertifizierungen. So kann z.B. ein Orangensaft als fair zertifiziert sein, wenn ein Mindestanteil der vom Hersteller eingekauften Orangen von fairen Produzent*innen stammt. Auch eine Schokocreme kann das Label tragen, wenn lediglich der darin enthaltene Kakao fair gehandelt wurde. Diese Herangehensweise ist teilweise umstritten. In jedem Fall lohnt sich ein genauer Blick auf das Etikett, wo ersichtlich wird, was und wieviel in einem Produkt fair gehandelt bzw. produziert wurde.

Die World Fairtrade Organization gibt es schon seit 1989, ihr eigenes Gütesiegel existiert seit 2013. Das WFTO-Siegel ist ein Verbandssiegel, d.h. dass es an Mitglieder der Organisation vergeben wird und nicht nur für einzelne Produkte oder gar Zutaten gilt. Wer der WFTO beitreten möchte, muss sich und seine Produktion entsprechend prüfen lassen. Das geschieht in der WFTO über verschiedene Prüfmechanismen, z.B. kontrollieren sich die Mitglieder auch gegenseitig. Mit dieser Unternehmenszertifizierung verfolgt die WFTO den Ansatz, dass nur ein ganzheitliches Verständnis von fairem Handeln wirklich fair ist. Die WFTO gibt aber auch Händler*innen, die Produkte von WFTO-Mitglieder*innen unter ihrem Namen weiterverkaufen, die Möglichkeit, diese als “Guaranteed Fair Trade Origin” zu kennzeichnen.

Der Weltladen Dachverband listet in seinem Lieferantenkatalog rund 80 Unternehmen, die nach den Konventionen der Weltläden agieren. Dieser Katalog ist eine wichtige Grundlage für die Sortimentsauswahl von Weltläden und bietet auch für kleine Unternehmen eine gute Zertifizierungsmöglichkeit, da eine Eintragung im Lieferantenkatalog relativ unkompliziert möglich ist. Ein Lieferant kann einen Antrag auf Anerkennung stellen, welcher Fragen zu Handelspraktiken, Arbeitsbedingungen, Transparenz, Bildungs-/ Informationsarbeit und Umweltschutz beinhaltet. Nach einer Prüfung vor Ort wird in verschiedenen Instanzen über die Aufnahme eines Unternehmens entschieden.

Neben diesen Zertifizierungsmöglichkeiten gibt es noch weitere Label, die einem beim fairen Einkauf begegnen können. Mit dem System von fairtrade vergleichbar sind die Label fair for life, SPP und Naturland Fair. Handelsunternehmen, wie die GEPA und El Puente, sind durch den Dachverband anerkannt und/oder Mitglied in der WFTO.

Diese unterschiedlichen Zertifizierungsmöglichkeiten und gemeinsamen Grundsätze machen eines deutlich:

Der Faire Handel ist kein immer gleiches Konzept. Im Gegenteil: Der Faire Handel lebt von den Unterschieden seiner vielseitigen Akteur*innen und jede Fair-Handels-Organisation hat ihre eigenen Besonderheiten. Gebündelt stehen sie für eine starke und persönliche Alternative zum konventionellen Welthandel.

Quellenverweise:
 
Charta des Fairen Handels
 Weltladen Dachverband: "Anerkannte Lieferanten"
 Transfair e.V.: "Was ist fairtrade?"
 World Fairtrade Organisation: "Our fair trade system"
 Forum Fairer Handel: "Fair Trade kurz erklärt: Wie erkennst du fair gehandelte Produkte?" (Youtube)